Evokap

In einem Lande künft´ger Zeit,
Von menschlicher Vernunft geleit´,
Durch Kunst und Wissenschaft befreit
Vom Elend der Vergangenheit.

Ohn´ Gott, ohn´ Vaterland und Staat
und ohne Kapitalertrag.
Ohn´ Krankheit, ohne Liebesweh
und ohne sinnlose Armee.

Dort lebt ein elendes Geschlecht,
Sittsam, friedsam und gerecht.
Das niemals Nacht noch Not gekannt
Und drum des Tages Licht verdammt.

Das nie durchquerte finst´re Au´n.
Das niemals musste Künstler schau´n,
die stets sich fromm und christlich geben
und von Moral und Tugend reden.
Das niemals wurde dafür blind,
dass sie doch alle Heuchler sind
und singen würden jeden Scheiß
wenn ihr bezahlt der CDs Preis.

Doch nun genug! Es raubt sonst mir
der Inder noch zu viel Papier.
Soll lieber von der Gschicht´n mein
hier weiter nun die Rede sein.

Das Volk von Angst und Not beraubt
erfuhr den schmerzlichsten Verdruss.
Des Geistes Äcker unbebaut
erstickten gar im Überfluss.

So sprach das Volk: Nun haben wir
uns Untertan gemacht das Tier,
das Land, das Meer, den Himmel gar
und sind doch jeder Hoffnung bar.

Krankheiten haben wir besiegt,
kein Mensch dem Hunger mehr erliegt,
kein Prediger uns mehr belügt
und doch ist unser Herz betrübt.

O Wissenschaft die uns geführt
aus Dunkelheit und Finsternis.
Die unser Fortschritt Feuer schürt´
erlös uns von der Bitternis!

Da naht vom Horizont heran
mit langem Bart, ein alter Mann.
Das Schlangentier in seiner Linken
vor Tagen schon begann zu stinken.
Das ist der übliche Prozess
wenn ein Tier sein Leben lässt.

Das ist die alte Prozedur.
So hat sich das in der Natur
bewährt schon viele Jahre lang.
Es stirbt ein Jedes irgendwann.

Vergehen muss in Asch´ und Rauch
Alles was auf Erden wohnt.
Drum werden von dem Tode auch
Allegorien nicht verschont.

Die Wissenschaft, so hebt der Mann,
ist tot und kalt, zu sprechen an.
Vertrauen sollt ihr, fährt er fort,
von nun an nur noch meinem Wort.

Die Wissenschaft, das sag ich gern
Hat gut gedient euch lange Zeit.
Doch diese ist in weiter Fern,
zu Höh´rem seid ihr nun bereit.

Nicht allein ergründend nur
die Gesetze der Natur
und erfüllend ihre Pflichten
geblendet von des Wohlstands Schein
in ihr behaglich einzurichten
soll eures Strebens Ziel mehr sein.

Die Fragen die ihr euch gestellt,
seit ihr verweilt auf dieser Welt,
weshalb des Daseins schwere Ketten,
euch angelegt und wie erretten
ihr könnt von diesem schweren Los,
das allen Menschen in den Schoß
schon von Geburt an ist gelegt,
den der eure Gene trägt.

Damit den letzterwähnten Satz,
du bitte mir nicht falsch auffasst,
der Mensch, das weiß ich wohl gewiss,
ist sicherlich kein Altruist.
Drum sei es explizit erwähnt,
dass der, der deiner Gene ist,
in erster Reih´ du selber bist.

Der Fragen Antwort will ich euch
Nun geben, doch versprecht es mir
Dass ihr nicht wie ein wildes Tier
Mich zornig hintendrein erdolcht.

Nun, wenn ich es im Licht beschau,
so nutzen weder Fisch noch Pfau,
noch irgend sonst ein andres Tier
zum Töten einen Dolch, wie wir.

Nicht passt hier der Vergleich mit Tieren,
lasst ihn mich schnell umformulieren.
Mir fällt gewiss bald etwas ein…
Wie tötet eigentlich ein Schwein?

Na schön ihr Leut´, ich merke schon,
dass ungehalten wird der Ton
und ihr in eurem tiefen Leid
nicht mit Geduld gesegnet seid.

Evolution, so dachtet ihr,
beträfe nur allein das Tier.
Der Mensch sei dem Prozess entsprungen,
hat sich zum Herrscher aufgerungen
und widersetzt sich stolz und stur,
den Gesetzen der Natur.

Wie schwach erscheint doch ihre Kraft
Gegen humane Wissenschaft.
Schwerkraft, Alter, Krankheit, Tod,
All der Tyrannin Aufgebot,
haben wir nach langem Krieg,
Schluss und endlich doch besiegt.

Was soll nun das Gerede hier
Von Mensch, Evolution und Tier?
Damit ist es längst vorbei
Dank Wohlfahrt und Juristerei.
Dank pazifistischer Eristik
und pränataler Diagnostik.

O edles Volk, du hast wohl Recht
dass du nicht länger bist ein Knecht,
und hast befreit doch von der Fron
an Gaia und Evolution.

Doch eurem Dasein liegt zugrunde
Ein ehernes Gesetz
An das geleint ihr wie die Hunde
Verweilen müsst zuletzt.

Das Prinzip das euch erschaffen
und ausgestattet mit den Waffen
der Vorsicht und Vernünftigkeit.
Das ist´s woran ihr gebunden bleibt.

Denn ihr seid keineswegs das Ziel,
Der letzte Satz im Buch.
Seid lediglich ein Zwischenspiel,
ein unbedeutender Versuch.

Fortsetzung folgt


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